Projektmöglichkeiten auf Kriegsgräberstätten – Vorstellung Lernort Lebach/Saar

Der Vorschlag umfasst einen emotionalen Zugang, forschend-entdeckendes Lernen ebenso wie Problemorientierung. Schülerorientierung findet sich in kreativen Teilen sowie in der Mitwirkung an der Gestaltung des Ortes. Das Lernen ist außerdem auf verschiedene Anforderungsbereiche ausgerichtet und bietet Ansätze zur Gruppen-, Partner- und Plenumsarbeit und gibt Möglichkeiten zum Perspektivwechsel bis hin zur Multiperspektivität.

Vorbereitung: 

•. Vorkenntnisse zum NS-Regime und zum Zweiten Weltkrieg

•. Reflexion zum Totenkult/Friedhof generell  

•. Achtsamkeit vor den persönlichen Hintergründen der Schüler*innen  

 

Kompetenzerwerb der Schüler*innen:

•. Kriegsgräberstätten als Mahnmale für den Frieden begreifen

•. Befähigung eines eigenen historisch-politischen Bewusstseins 

•. Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft  erfahren und sie mit der eigenen Gegenwart verknüpfen 

•. Befähigung historische Quellen und Darstellungen kritisch zu hinterfragen um sich ein eigenes Bild zumachen

•. Geschichte als Basis internationaler und kultureller Verständigung begreifen

•. Stärkung der Kompetenzen für demokratisches Handeln

 

Projektdauer: ca. 2 Schulstunden

Zielgruppe: ab Klassenstufe 9 aller Schulformen

Gruppengröße: bis 15 Teilnehmer

Unterstützung: Bildungsreferentin, Fr. Heinen-Krusche

 

 

Vorstellung des Projektes

Die Kriegsgräberstätte wurde im Frühjahr 1940 zu Beginn des Frankreichfeldzugs neben einem kommunalen Friedhof angelegt. Hier ruhen neben 255 deutschen Soldaten und Zivilisten auch 73 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen. Die Informationen über die NS-Zeit in Lebach wie auch die Recherche zu Einzelschicksalen der dort Ruhenden wurden durch den  Landesverband Saar mit Unterstützung des historischen Vereins, den Gymnasien in Lebach und vielen anderen Institutionen recherchiert und dokumentiert. Auch Angehörige trugen durch ihre Bereitschaft, aus ihrer Familiengeschichte zu erzählen und uns Fotos und Dokumente zur Verfügung zu stellen, zum Ergebnis bei. Durch Zeitzeugengespräche konnten wir so fünf Einzelschicksale recherchieren. Jeder dieser Personen hat eine Stele mit Kurzbiographie neben seinem Grabfeld stehen. Sie stehen stellvertretend für viele ähnliche Schicksale. Hier können sich die Schüler*innen ein erstes Bild über die dort ruhende Person machen. 

Die Nutzung zeithistorischer Quellen als pädagogische Ressource unter Einsatz von modernen Medien

Die Forschungsergebnisse sind über einen QR-Code, der sich auf der Tafel im Eingangsbereich des Friedhofs befindet, jederzeit abrufbar. Hier können sich die Schüler*innen mit den damaligen lokalen und regio-nalen Begebenheiten vertraut machen und sich auf Spurensuche begeben. Ein besonderes Schicksal, ist das von Emil Hammel. Im Archiv des Volksbundes fanden wir einen Schriftwechsel aus dem Jahr 2008 zwischen der Abteilung „Gräberdienst“ und einem „Harry Maier“. Dieser suchte das Grab von Emil Hammel, welcher er als Kind im Hause seines Vaters kennenlernte

Diesen schrieben wir an und kamen in Kontakt. Herr Maier konnte uns den Lebensweg von Emil aufzeichnen und sendete uns ein Bild von ihm. Des weiteren wurde auch ein Stück Zeitgeschichte wieder lebendig. Emil wurde am 05. Februar 1925 in Bessarabien geboren, eine historische Landschaft in Südosteuropa, heute zu-gehörig zu Moldawien. Mit der Stiefmutter verstand sich Emil nicht gut, so lief er von zuhause weg. Völlig verlumpt und verlaust wurde er 1939 von der Familie Maier aufgenommen. Durch den Hitler-Stalin Pakt wurden alle Bessarabien-Deutsche (ca. 93.000 Personen) dann ins Deutsche Reich umgesiedelt. Dort fand Emil in Westpreußen seine Schwester und zog zu ihr. Nach einem Arbeitslager der HJ meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht. Er kam in die Normandie und fiel beim Rückzug der Wehrmacht am 10. Dezember 1944 in der Nähe von Lebach. Er wurde 19 Jahre alt. 

 

Durch diesen einzelbiographischen Zugang wollen wir die Vergangenheit für junge Menschen greifbar und erfahrbar machen und Ihnen Raum geben, negative gesellschaftliche Entwicklungen und Diskussionen zu reflektieren und auf eigenes Verhalten und Handeln zu beziehen. Wir hoffen, dass die Geschichte der Kriegsgräberstätte mit Hilfe dieser Stelen für die Besucher*innen des Friedhofes, vor allem aber für junge Menschen, einfacher zugänglich sein wird. 

Für Schulen und Hochschulen hat der Landesverband Saar die Website www.lernort-lebach.de eingerichtet, über die weitere Materialien zur Verfügung gestellt werden, darunter ein didaktisches Konzept für Lehrkräfte. 

 

 

Download
Arbeitsaufträge zur KGS Lebach.pdf
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